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Hollandse Herdershond

Wie oft wurde ich schon gefragt, was denn das nun ist. „Sieht aus wie eine Hyäne“. Ist ja nicht gerade sehr schmeichelhaft für einen Rassehund. Noch dazu für ein so edles Tier wie den Hollandse Herder. Da kommt ich mit der Meldung „ Ist das´n Mischling?“ eher zurecht.
Manche bemerken dann schon den Schäferhund, die Besseren erkennen die Ähnlichkeit zum Malinois (Belgischer Schäferhund), und ganz, ganz wenige wissen, dass das ein Herder ist.
Den Hollandse Herder gibt es in seiner Form eigentlich schon seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Früher war er, wie viele andere Schäferhunderassen auch, ein unentbehrlicher Helfer an der Schafherde. Herder wurden von vielen Bauern eigentlich nicht als Wachhunde, sondern mehr als Hütehunde gehalten, eine Eigenschaft die sich bei dieser Rasse nicht unbedingt gehalten hat. Heute ist der bekannteste und lebendigste Hütehund wohl der Bordercollie.
So zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert tauchten immer mal wieder zwischen den ganzen belgischen Schäferhunden gestromte Exemplare auf Ausstellungen auf. Da man sich zu dieser Zeit noch nicht so ganz sicher war, wie welcher Hunde, welche Rasse und welcher Schlag auszusehen hat, gründeten die Belgier ihren Klub für Belgische Schäferhunde, und unterschieden diese in ihre vier verschiedenen Schläge.
Ende des 18.Jahrhunderts wurde dann auch der Nederlandse Herdershonden Club gegründet, um die eigene Rasse in einem Zuchtbuch weiterzuzüchten. Nachdem aber so ziemlich alles erlaubt war, Haarart, Erscheinungsbild, Größe, und die Zuchtpopulation nicht zu groß gewesen sein dürfte, wurden die Hunde zu klein und leicht.
Der Standard wurde mehrmals geändert, und zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten die Bauern immer noch keine Interesse an der Reinzucht ihrer Hunde, da sie eigentlich einen Helfer bei der Arbeit brauchten, und keinen modernisierten Schönling. Während zu dieser Zeit schon etliche Deutsche Schäferhunde und viele Belgische Schäferhunde zu finden waren, hinkte die Zucht des Hollandse Herders hinten nach und schadete der Rasse enorm. Erst als der Hollandse Herder seine Arbeit an der Schafherder verlor, begann man sich für ihn als Arbeitshund in anderen Bereichen zu interessieren. Es zeigte sich, dass diese Rasse durchaus brauchbar war .


Wieder wurden Standards geändert, einige Zuchthunde aufgenommen, um dann die Zuchtbücher wieder zu schließen. Die Zuchtpopulation war aber so gering, dass man sich etwas einfallen lassen musste, um nicht die Rasse durch zu enggradige Zucht zu verlieren.
Bis die Rasse schlussendlich anerkannt war, hatte man den Standard x-mal geändert, vermutlich viele gute Hunde aus der Zucht genommen, weniger Schöne reingenommen, sich beklagt, dass der Herder dem Mali zu sehr ähnelte und sich irgendwann darauf geeinigt, dass der Hollandse Herder nur noch von gestromter Farbe sein darf.

Ich will jetzt niemanden mit einem langweiligen Standard quälen, wie groß ein Herder zu sein hat, wie sein Kopf aussehen soll, wie er sich bewegen muss, und,und, und. Wie schön ein Hund ist, liegt immer noch im Auge des Betrachters. Und selbst jene Züchter, die viele Ausstellungen mit Herdern absolvieren, und ihre Hunde vielen Richtern vorgestellt haben, können bestätigen, dass eine Ausstellung ein reines Lotteriespiel ist. Die Chance, mit einem Pokal nach Hause zu gehen, liegt höher, wenn wenige Hunde bei einer Ausstellung gemeldet sind. Und dann hören sich Richterberichte für ein und denselben Hund sehr unterschiedlich an. Auch da gilt meines Erachtens, Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Selbst bei Richtern, denn der hat auch so seine Vorstellung, wie ein Hund einer bestimmten Rasse auszusehen hat ….. und …… ein Richterurteil ist unanfechtbar!!! Ein Foto sollte genügen, um zu zeigen, was der Hollandse Herder für ein Hund sein kann.

Für uns ist der Hollandse Herder aus KNPV Linien (Linien aus dem Königlich Niederländischen Polizeihundverband) noch der Gesündeste und Härteste. Der Holländer züchtet seinen Herder nicht in der Reinzucht, sondern kreuzt ihn auch heute noch ein. Nicht nur mit dem Belgischen Malinois, sondern auch mit dem schwarzen Gröni, und wohl auch mit dem Deutschen Schäferhund. Ein Horrorgedanke für jeden FCI Züchter, der ja einen reingezogenen Herder haben will. Doch für den Holländer gilt ….. er will einen gebrauchsfähigen Hund, einen Hund mit genügend Trieb, um ihn im Schutz bzw. im Polizeidienst verwenden zu können, mit ausreichend Härte und Belastbarkeit und genügend Gehorsam, um ihn auch in schwierigen Situationen noch führen zu können. Das macht ihn treu und seinem Herrn ergeben.


Der Holländische Schäferhund ist ein Hund, von ungefähr 55cm – 60cm Schulterhöhe und von etwa 30 kg Gewicht. Durch Einkreuzungen ergeben sich manchmal Abweichungen. Es gab bereits Hündinnen von 20 kg Gewicht, bei einer Höhe von 50cm und Rüden von 65cm Schulterhöhe bei knappen 40kg Gewicht.

Erwünscht ist ein harmonischer Hund im Typ des Schäferhundes ohne abfallende Hinterhand bzw. züchterischen Verschönerungen, die dem Menschen einfallen.
Gefragt ist ein natürlicher Hund, von mittlerer Größe, mit flinken Beinen, einer schnellen Auffassungsgabe, hoher Triebigkeit (man könnte sagen „arbeitsgeil“) und einer gewissen Aggressivität, um die Belastbarkeit im Dienst zu erreichen. Diese vorsichtig ausgesprochene Aggressivität, soll aber aus dem Hund kein beißendes Monster machen, denn in jeder Sparte des Dienstes muss der Hund sozial bleiben. Unter dieser Aggressivität verstehen wir einen Hund, der zum Beispiel im Schutzhundesport oder gerade im Dienst in der Lage ist, massiven Druck zu ertragen. Ein Verbrecher, Besoffene bei Bierzeltfesten oder aggressive Menschen, zum Beispiel bei größeren Zusammenkünften wie bei Fußballspielen, (dies sind nur wenige Auszüge für den Hundeeinsatz) schrecken nicht davor zurück sich tatkräftig mit Tritten oder Schlägen gegen einen Hund zu wehren. Und gerade bei diesen Dingen ist der Hund unentbehrlich, wenn er eben vor menschlicher Bedrohung nicht zurückschreckt, sondern zusammen mit seinem Herrn diesen Absonderling verhaftet, oder auch seinen Herrn tatkräftig verteidigt. Das schaffen aber nur Hunde mit einem belastbaren Nervenkostüm und einer gewissen Aggressivität, die sich aber in passiven Situationen nicht gegen Mitmenschen richten soll oder darf.


Durch seine hohe Intelligenz ist der Herder kein Hund für faule Menschen oder solche, die ihren Hintern nicht von der Couch bewegen können. Schnell sind solche Hunde nicht nur unterbeschäftigt, sondern meist auch unerzogen und fallen negativ auf. Ich würde den Herder auch nicht unbedingt als Anfängerhund bezeichnen. Der Herder gehört in eine führende, konsequente Hand, die wissen, dass ihr Hund kein Teddybär ist, sondern ein großer, kraftvoller Schäferhund.
Allerdings gibt es in den Würfen immer wieder Hunde, die diese Nervenstärke und Größe nicht geerbt haben. Man könnte sagen, sie haben nicht laut genug „hier“ geschrien, als der liebe Gott den „Mut“ verteilt hat.
Das hat seinen Grund. Je ähnlicher sich die Welpen in einem Wurf sind, was Aussehen und Wesen betrifft, desto enger ist das Genpotenzial. Je unterschiedlicher die Welpen sind, desto größer ist das Genpotenzial.
Man muss sich vorstellen, was in einem Wolfsrudel los wäre, wenn lauter dominante und mutige Welpen auf die Welt kommen würde. Die Struktur des Rudels würde völlig aus der Bahn geworfen werden, wenn die heranwachsenden Tiere alle nach einer höheren Rangordnung trachten würden. Deshalb fallen in einem Wolfsrudel Welpen mit verschiedener Charaktere. Der eine ist groß, mutig, stark, ein nachkommender Rudelführer. Der Nächste ist schon weniger mutig, eher ein wenig reserviert und vorsichtig. Der Übernächste vielleicht feig und unterwürfig. So wird jeder seinen Platz in seinem Rudel erarbeiten. Der eine ganz vorn, der Andere weiter hinten.
Ähnlich ist das bei den eingekreuzten Herdern. Es fallen starke und schneidige Welpen, wie auch solche, die richtig lieb und komplikationslos sind.
Wir beobachten unsere Hunde und können so die Wünsche des zukünftigen Hundebesitzers respektieren. Allerdings, auch wir können aus dem Hollandse Herder keinen Mops, oder einen Basset machen. Wollen sie einen Hund mit dem Wesen dieser Zeitgenossen, dann sollten Sie sich auch so einen Hund nehmen.


Haben Sie sich für einen Herder entschieden, dann beschäftigen Sie sich bitte mit der Art des Hundes. Wie verhalten sich Hunde? Was haben sie für einen Sexualzyklus und wie verhalten sie sich dabei? Was für einen Sport könnten Sie mit Ihrem Herder betreiben? Was soll Ihr Herder beherrschen oder können?
Denken Sie daran, viele Herder arbeiten als Beamte im Polizeidienst, beim Bundesheer, sind im Sport dabei, werden privat als Helfer des Menschen ausgebildet und oft genug als Wachhunde eingesetzt, um Haus und Hof wirkungsvoll zu verteidigen. All das zeigt auf einen Hund hin, der gearbeitet werden will, der eine konsequente Erziehung braucht und der Ihnen absolut verfällt, wenn Sie es verstehen ihn richtig zu führen und keinen Schoßhund aus ihm machen wollen.